Wir starten unseren Tag mit Tee, Kuchen und einer warmen Dusche. Aus dem Badefenster beobachten wir eine Wildkatze, die kurz darauf freundlich von einem ebenso großen Hund begrüßt wird.

Gut gestärkt marschieren wir zu viert für etwa 20 Minuten durch die engen Gassen in Richtung Busterminal. Zu Fuß geht hier niemand, gibt ja auch keine Gehsteige. Wir quetschen uns in die Linie 434 und merken sogleich, dass der morgendliche Waschgang umsonst gewesen ist.

Nach vielen spannenden, gepflasterten Kurven erreichen wir wie Zwiebeln angeschwitzt den Eingangsbereich zum Castelo dos Mouros, wo wir sogleich die hervorragenden sanitären Einrichtungen von Innen besichtigen.

Wer online ein Ticket bucht spart nicht nur Geld (40c pro Person), sondern auch Zeit (unbezahlbar). So können wir ohne Warten unseren Weg zur Mauer starten. Der schattige Weg führt uns an zahlreichen, flechtenumwobenen Bäumen und moosbedeckten Felsen zur Festungsmauer.

Nun wissen wir hoch offiziell, dass wir in Portugal angekommen sind.

Die Aussicht und der Rundgang auf der Festungsmauer sind jeden Cent wert, das Wetter spielt auch mit. Ein Hochgenuss mit Absturzgefahr, denn Geländer werden nur angebracht, wenn es wirklich notwendig erscheint.

Unser nächstes Ziel liegt einen vernünftigen Fußmarsch entfernt und nennt sich Palácio Nacional da Pena.

Wieder buchen wir online unser Ticket, doch das Warten bleibt uns diesmal nicht erspart. Stolze 300 Personen dürfen alle 30 Minuten das Gelände des bunten Palast betreten.

Unser Ticket erlaubt es uns um 14:30 in der Schlange zu stehen. Etwa eine halbe Stunde benötigen wir um durch den „Tunnel“ zum Eingang des „Interior“ zu gelangen. Dort dürfen wir das Innere des Palast begutachten – immer noch in der Schlange gehend. Zu schnell um alles aufsaugen zu können, zu langsam um angenehm zu sein.

Die Innenräume zeigen (wie die meisten anderen Prunkhäuser auch) wie gut es sich gewisse Reiche haben gehen lassen, während die Armen hungern mussten. Jeder Raum ist eigens gestaltet. Einen kleinen Einblick geben auch die unterschiedlichen Optiken der Zimmerdecken.


Und dann – FREIHEIT! Wieder frische Luft und im eigenen Tempo bewegen. Man vergisst schnell, wie gut es unsereins so geht.

Nach einem Rundgang über den Wall-Walk verabschieden wir uns vom Meerjungmann und machen uns wieder auf den Weg ins Tal.

Wir spazieren (auf) den Bahngleisen entlang, wo angeblich (so haben wir auf unserer ersten Uber-Fahrt gelernt) seit über 100 Jahren ein alter Zug fährt, um Leute von der Stadt an den Strand zu bringen.
Zug haben wir keinen gesehen, Bus haben wir verpasst. Zu Fuß, nach wie vor ohne Gehsteig, gehen wir bis zum Auto und fahren dann zum Cabo da Roca, dem westlichsten Punkt des Festlands des europäischen Kontinents.

Über den steilen Klippen wachsen tausende an Sukkulenten, darunter schlagen die Wellen gegen den scharfen Stein.

Wir genießen noch die untergehende Sonne, die langsam aber doch nicht hinter dem Horizont, sondern einer Wolkenwand verschwindet.

Den Abend lassen wir mit einem köstlichen Essen bei Casa do Mar sem Fim ausklingen, dessen brasilianischer Besitzer normalerweise kocht, jetzt aber mit seiner Frau getauscht hat und den Kellner macht. Weil sie überdies unterbesetzt und damit überfordert sind, mussten wir auf die zweite Runde Getränke bis zum Hauptgang warten, wurden dafür aber mit veganem, hausgemachten Eis entschädigt. Es gab Umbu + Cajá, Cupuaçu und Ananas-Pfefferminze, war großartig und wurde mit einem angebrachten Trinkgeld bezahlt.
2 Kommentare zu “Portugal – Tag 1 – Frank Sintra”
Wunderschön! Genießt es.
Ich freue mich schon auf eure weiteren unterhaltsamen Berichte.