Berlin – Tag 1 – Im Garten des Kanzlers


Bevor irgendjemand enttäuscht ist: Wir waren nicht im Garten des Kanzlers. Zumindest nicht wissentlich. Vielleicht waren wir über dem Garten des Kanzlers, er wohnt schließlich in Potsdam. Aber vielleicht hat er auch gar keinen Garten… Wir wissen es nicht.

In jedem Fall beginnt unsere Reise heute gegen 6:00 Uhr, plus-minus, je nachdem wessen Wecker man befragt. Wir schlagen unsere Augen nur ungern auf, machen uns frisch für’s Flugzeug, werden großzügigerweise bis zum Flughafen chauffiert (weil wir als VIPs eingestuft werden) und verabschieden uns dann dankerufend von Her the-best Bert.

Dann Snack holen, Selbtsbedienungskassa, Flüssigkeiten wegtrinken, fremde Röntgenbilder bestaunen, durch eine Parfumwolke latschen, Klo, warten, QR-Schleuse, Schlange stehen, lange sitzen …

Von rechts nach Lilli, Hannah, Lukas

… Bücher lesen, Wasser aus Plastikbechern trinken, als letzte aussteigen, durch drei Schleusen gehen, nicht versehentlich in die Regionalbahn einsteigen, zweimal umsteigen und BAM ist es schon 12:30 Uhr und wir befinden uns in der Bergmannstraße in Berlin, Kreuzberg!

Hungrig besuchen wir das Umami X-Berg (fun fact: ein X sind zwei Linien die sich kreuzen). Das Essen ist köstlich! Hier könnt ihr alles von knusprigen Sommerrollen, über Kimchi und feinste Seitan-Filets bis hin zum Kondensmilch-Sesambällchen bestaunen:

Des Kaisers neue Speisen

Gut gesättigt spazieren wir dann ein bisschen in der Bergmannstraße herum, holen uns Rhabarberschorle im Bio-Laden und betrachten unter anderem Pasta-Poster und Wackel-Dackel. Es ist eine quirlige Flaniermeile mit vielen kleinen, individuellen Läden und wird gerne die „bunteste Straße Berlins“ genannt.

Dann geht es in das luftige Bed-and-Breakfast acht Minuten ums Eck in den sechsten Stock, wo uns die nette Nachbarin den Schlüssel in eine wunderschöne Wohnwelt gibt. Da es eine privates Penthouse ist, müsst ihr es euch, respektvoll, einfach vorstellen. Es gibt Parkettboden und acht Glastüren auf die Balkone. Der Eigentümer hat uns eine Nachricht und eine Flasche Rotwein dagelassen, da er selbst auf Urlaub ist. Diesen Blogeintrag schreibe ich auf einem alten Holztisch mit Sicht auf einen Globus und ein Gemälde mit drei stilvoll dargestellten, nackten Menschen und einem Apfelbaum. Den Blick vom Balkon aus unserem Schlafzimmer möchte ich euch aber zeigen:

Rundblick

Nach kurzer Einlebung und Ausruhung sind wir natürlich wieder hungrig und suchen einen veganen Affen auf, direkt gegenüber vom Umami.

Von links nach Regenbogengemüse, Reisnudeln und vegane Ente, Mangodip, Enoki, Wantan, Gyosa, Dumplings und falschen Lachs in Röllchen

Wenngleich das Essen nicht gesund wirkt, ist es köstlich und ausgiebig. Bei der veganen Ente sind wir uns nicht sicher, ob es sich um ein Geflügelimitat handelt, oder der Vogel vegan ernährt wurde. Krass.

Voll-zufrieden wandern wir noch zu einem Pralinenladen und düsen dann mit der U-Bahn drei Stationen weiter, um gerade noch rechtzeitig im Luftschloss anzukommen. Wir befinden uns am Tempelhofer Feld, das Gelände eines ehemaligen Flughafens, das heute als Freizeitfläche genützt wird. Hier steht noch für etwa zwei Wochen ein schönes, aus Holz aufgebautes Freilufttheater mit Gorillas.

Für einen Abend lang: Jan, Olaf und Malina

Die drei Schauspieler:innen werden von einem Keyboardspieler begleitet. Das Stück ist etwas verwirrend, die Agierenden wirken als wüssten sie nicht so recht was sie tun. Ständig fragen sie uns als Publikum (als wäre es eine Probe) was sie denn tun sollen. Die Handlung überschlägt sich andauernd, es gibt immer wieder Schnitte und Szenenwechsel.

Es geht um einen Tierpräparator, der Bruder einer zornigen Zahnärztin und deren Vater, der Gärtner ist. Jan (der Bruder) ist mit der Mafia verwickelt und hat Drogen in einem Hund geschmuggelt, Olaf (der Vater) hat einen Traumgarten, der einer Umfahrungsstraße weichen soll und Malina (die mit dem Bohrer) betrügt ihren Mann mit einem Zahnchirurgen, der einmal einem Mafiaboss geholfen hat. Außerdem gibt es eine Band, die mit ihren Hits „Warum nicht du?“ und „Im Garten des Kanzlers“ die Freiheit der Liebe und die Stolpersteine der Politik besingen. Besonders der letztere Tune ging wirklich ins Ohr.

Als Kontra würde ich wirklich den verwirrenden roten Faden nennen, das Drehbuch würde ich gerne einmal lesen… Im pro war es alles in allem ein unterhaltsamer Abend!


3 Kommentare zu “Berlin – Tag 1 – Im Garten des Kanzlers”

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