Berlin – Tag 2 – Im Buche des Phönix


Unser erster geplanter Fixpunkt des Tages ist das Museum für Naturkunde in Berlin. Aber Frühstück ist wichtig, besonders für Foodies wie wir es sind, und deswegen besuchen wir das MarcAnn’s in der Invalidenstraße. Ein nettes, kleines französisches Café. Ich esse köstliche Quiche mit Besteck und Salat, die anderen gönnen sich einen riesigen Wrap mit veganem Mischmasch drin und viel Petersilie!

Morgenstund ist nicht gesund!

Das Naturkundemuseum ist der Wahnsinn. Es haust gerade eine Dinosaurier-Ausstellung mit wirklich großen Exemplaren. Brachiosaurus, Diplodocus, Triceratops, Allosaurus und T-Rex sind natürlich vertreten.

Eher Dino-süß-ier!

Aber auch die etwa 1.000.000 in Alkohol eingelegten Objekte sind der Hammer!

Hi!

Es gibt wirklich viel zu sehen und zu lernen. Ein ganzer Bereich des Museums widmet sich Jan’s Beruf: Der Tierpräparation. In Portugal durften wir bereits (in einem Video) hinter die Kulissen eines riesigen Aquariums blicken, hier gibt es nun Einblicke in die aufwendigen Arbeiten zur Ausstellung toter Individuen. Jan wäre stolz gewesen.

Nachdem wir bereits viel Neues aufgesaugt und Altes gefestigt haben, betreten wir einen Raum mit einem unendlichen Sofa, das alle zehn Minuten zum Videogucken einlädt. Mit dem Blick an die Decke kann mit sich ausruhen und über das gewaltige Ausmaß unseres Universums lernen.

Das ist zum Ausrasten!

Am Endes des Videos fühlt man sich klein und unbedeutend. Aber dann denkt man an das Higgs-Boson und alles ist wieder gut.

Unser zweiter Fixpunkt des Tages ist eine Demonstration des Verbands medizinischer Fachberufe.

Brandheiße Rhetorik

Fast kommen wir zu spät, doch können wir Martin Hendges, Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, gerade noch hören, als er ein unauslöschlicher Teil der Geschichte Deutschlands wird: „Sie sind das Herz unserer Praxen und für eine gute zahnmedizinische Versorgung der Menschen im Land unerlässlich.“

When life gives you lemons …

Malina wäre stolz gewesen! Und wütend. Aber auch sehr stolz!

Gleich in der Nähe ist das Holocaust-Mahnmal, das gerade abschnittsweise restauriert wird. Vermutlich wird es jeden Sommer abschnittsweise restauriert, denn es ist gewaltig!

Mauern, mahn mal eben

Auf einer Fläche von etwa 19.000m² stehen etwa 2711 Betonklötze zum Gedenken an die ermordeten Jud:innen Europas. Peter Eisenmann, der das Denkmal entworfen hatte, bezeichnet es als „place of no meaning“, womit er die fehlende Symbolik der Stelen meint. Es sind einfach Stelen.

Von dort aus stehlen wir uns in die Mall of Berlin, wo es endlich wieder was zu Essen gibt! Hier gibt es rein pflanzenbasiertes Fastfood.

Die Rechtschreibung ist fragwürdig…

Zurück am Weg in die freie Wildbahn spazieren wir an einem Lego-Shop vorbei, lassen uns gekonnt hineinleiten und staunen dann nicht schlecht, als wir 500€ schwere Plastiksteinchensets in den Regalen sehen. Eigentlich wäre es schon wieder einmal lustig so ein 3D-Bausteinpuzzel fertig zu stellen, aber unser Geld wächst etwas langsamer, also reden wir nicht mehr darüber und gehen weiter ins Spionagemuseum.

Raus aus dem Netz!

Auf zwei Stockwerken lernen wir über Verschlüsselungen, Kriegstaktiken, Propaganda und Alltagsgegenstände, die eigentlich keine sind: BHs mit Kameras, ein Trabant mit in der Seitenverkleidung versteckten UV-Scheinwerfern und Spielkarten mit Stadtplänen zur Fluchtwegnavigation.

Kreuz König, Bube und 5

Aber auch Spazierstöcke für Giftgasangriffe und Geigen- und andere Köffer mit eingebauten Schusswaffen sind Teil der Ausstellung. Es ist immer wieder schwer zu fassen, wie viel Zeit, Geld und Energie unsere Spezies in die gegenseitige Auslöschung steckt.

Beruhigend ist nebenbei auch, dass man Tauchen für Dummies heutzutage überall lernen kann und wir die Ausrüstung der Sowjetunion nicht mehr benötigen.

Grüner Transport

Um unseren Köpfen eine kleine Pause von dem ganzen Wissenszeugs zu geben haben wir als nächstes ein Abenteuer im Miraculum gebucht. Unser Ziel des Besuchs ist das Studieren eines Buches. Eines besonderen Buches! Der Jubiläumsausgabe des „Goldenen Phoenix“ aus dem Jahr 1723.

„Zauberer, Zauberer, Pirat“ – Zitat

Viel, viel mehr kann und möchte ich an dieser Stelle nicht verraten. Aber wenn ihr einmal in der Gegend seid, empfehle ich euch dringend es uns gleich zu tun. Es ist großartig. Es ist der großartigste seiner Art, von allen, die ich bisher besuchen durfte. Wir haben nur ein paar Zeilen des Buchs gelesen und sind sofort hineingekippt. Lasst euch verzaubern!

Noch nie so über Nacktschnecken am Salat gefreut!

Unser dritter und damit letzter Fixpunkt führt uns in den Secret Garden. Ein Lokal nach dem Motto: „Who the f**k needs fish?“. Hier verwöhnen wir uns völlig benebelt mit stilvoll etagiertem, veganem Sushi und linksdrehendem Sprudelwasser aus der Bügelflasche.

Die Magie der Instagrammability

Und wer über den Tellerrand hinwegblicken kann, sieht den geheimen Garten. Gut gepflegt und saftig grün. Olaf wäre stolz gewesen. Sehr, sehr stolz.

Und langsam geht mir ein Licht auf. War das Theater von gestern noch unverständlich und wirr, so ergibt es jetzt alles Sinn. So wie unser sensationelles Fischfreimenü in Nebel gehüllt ist, scheint auch die Zukunft oft nur verschwommen greifbar. Und so hat die Regie des gestrigen Stücks ein Wunder vollbracht und uns insgeheim unsere heutige Zukunft prophe-zeit fürs Bett!


Ein Kommentar zu “Berlin – Tag 2 – Im Buche des Phönix”

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