Etwa 2258 km liegen zwischen uns und unserem Zuhause. Ungefähr 310 km haben wir seit unserer Ankunft in Lissabon zurückgelegt und ca. 110 km Straße gilt es auf die nächsten Tage verteilt nach Faro zu befahren.
Wir starten den Sonntag wieder mit einem ausgiebigen Frühstück mit Obst, Nicht-Joghurt-Joghurt und Brot mit Hummus und versuchen uns dann mit der freundlichen Dame zu verständigen, die uns bei unserer Ankunft im Quartier begrüßt hat. Wir haben nur für eine Nacht gebucht, wollen aber noch eine weitere dran hängen. Wir sprechen alle nicht Niederländisch, sie kein Englisch, wir kein Portugiesisch. Eva kann Spanisch und schafft es unser Anliegen zu kommunizieren, worauf hin wir mit einem Schwall an Information überhäuft werden, den wir aufgrund der Sprachbarriere sehr kompakt zusammenfassen können: „Ich muss den Eigentümer fragen, fünf Minuten bitte!“
Nach zwei Minuten kommt sie selbst wieder und spricht fröhlich zwanzig weitere Sätze mit uns, wir verstehen: „Kein Problem.“
Kurz vor unserer eigentlichen Check-Out-Zeit haben wir also quasi noch einmal eingecheckt, diesmal aber mit einer Bargeldtransaktion und einem Old-School-Handschlag mit dem Eigentümer, der uns im Anschluss darüber informiert, dass heute seine Familie vorbeikommt, ob uns das eh nicht stört.
Stört uns nicht, denn es heißt: Vamos à praia! Wo wir gestern die Sonne untergehen sehen haben, parken wir heute den Camper und schleppen unser Zeug die steilen Serpentinen zum Sandstrand hinunter. Das Frühaufstehen hat wieder nicht geklappt (doofes Urlaubsfeeling) und so wuseln schon viele Surfneulinge mit ihren Coaches am Strand herum, machen Trockentraining und Aufwärmübungen oder warten bereits im Wasser mit 30 anderen auf die nächste gute Welle.

Wir teilen uns heute zu dritt ein nicht ganz anfängertaugliches Brett. Nach Evas erster Session bin ich an der Reihe. Nach dem natürlichen, durch 100% Windenergie angetriebenen Meersand-Peeling gleitet mein Körper ohne Widerstand in den dicken Neoprenanzug, der aus einer dem kalten Wasser gegenüber zögerlichen Haltung ein Bedürfnis zum Abkühlen macht.

Ich bemerke:
- Das Brett ist kürzer als gestern
- Das Brett ist weniger stabil als gestern
- Das Brett hat weniger Auftrieb als gestern
- Die Wellen sind krasser als gestern

Gestern war ein guter Tag zum Surfen! Ich lerne, dass das Aufstehen sehr schwer ist, wenn die Füße nicht am Surfboard sind. Und dass das Aufstehen leichter ist, wenn man Grip hat und nicht rutscht. Ich lerne wie stark eine Welle sein kann, wenn man dort steht wo sie bricht. Und das man sich auch den Rücken brechen kann, wenn man nicht aufpasst. Chiropraktiker:innen brauch ich diese Woche auf jeden Fall keine mehr. Heute ist ein guter Tag zum Lernen!

Vielen Dank an Lukas für diese großartigen Fotos!

Die sehr heißen und windigen Bedingungen bringen Hannah und mich am frühen Nachmittag zum Aufstieg auf den Berg auf dem der Parkplatz liegt in den rettenden Schatten des Autos. Hier gibt es ein köstliches Linsen-Dijon-Kartoffel-Gericht, das wir am Vorabend noch gekocht haben und einen kleinen Powernap.
Während Eva und Lukas sich das Gesicht am Sand aufschürfen und sich von einem ganzen Satz an Wellen unterkriegen lassen setzten sich Hannah und ich in das „Sea You“ Surf-Café. Es gibt Smoothie und Kombucha und wir spielen 10.000, was mich in meine Studienzeit zurückholt.

Um uns vom kräftezehrenden Würfeln zu erholen gönnen wir uns letztlich auch noch einen Burger mit Gischt-Sauce, welligem Salat und Pommes mit Meersalz.

Gegen 19:00 startet dann die Band „Peyoti for President“ mit einer starken Zwei-Mann-Performance. Mit Schlagzeug und Gitarre spielen sie über zwei Stunden lang bekannte Lieder mit eigenem Touch.

Zum Sonnenuntergang wird aus dem Kombucha ein Sangria und der kleine Gastgarten füllt sich stetig mit Menschen.

Wir genießen den Abend bis (inklusive) Lukas und Eva von ihrem Surfabenteuer zurückkehren, trinken gemeinsam noch eine Runde Wasser mit Geschmack, bewegen unsere sitzenden Körper zum Groove der Nachtbeschallung und erfreuen uns am bayrischen Familienvater, der mit 66 Jahren sein Leben mit einem legendären Tanz vor der Bühne erst so richtig anfangen lässt! Zum Abschluss gibt es noch eine Bierdusche, gesponsert von den dicht aneinander stehenden Surfer:innen und eine echte Dusche vor dem Schlafengehen.

2 Kommentare zu “Portugal – Tag 4 – Peyoti for President”
Klingt nach Abenteuerurlaub. Viel Spaß weiterhin!
Danke ☺️